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zwischendecken (playtime)

Mit dem Feuerzeug spielen, das Bierglas drehen, den Schaum vom Rand der Milchkaffeetasse schwenken, das Muster der Tischdecke mit den Fingern nachzeichnen - wenn denn eine aufgedeckt ist ...

Unter dem Titel "zwischendecken" wurden seit 2008 die ersten Objekte zum Thema create and forget in den (halb)öffentlichen Raum verbracht ...



Die Reihe "zwischendecken" (playtime) legt eine Ebene zwischen den Alltagsgebrauch des Versammlungsorts "Tisch" und seine Benutzer/innen. Für die gefertigten Decken enthalten immer direkte Bezüge zum Ort und zum Aktionszusammenhang, in dem sie stehen und organisieren diesen in Wort und Bild als Spielfeld. Bisweilen werden auch Würfel oder kleine Sprachmodule beigegeben. Verteilt werden die Decken direkt in die Runde der potentiellen Nutzer/innen und verbleiben dort.

Create and Forget als Praxis:

[* 2008-07 Schloß Bergedorf ] VoiceModul #1

Drei Tische des Schlosscafés sind mit Tischdecken ausgestattet, auf denen bebilderte Spielfelder und Fragefelder zur Kunst zu finden sind.

Die Gäste sind aufgerufen, die "Zwischendecke" mit Kaffeetasse und Saftglas nach frei zu erfindenden Regeln zu bespielen oder die beiliegende Spielanleitung auszuprobieren.

Ein "Spielset" aus verschiedenfarbigen Fruchtsäften im Glas und einem Würfel sind beim Personal erhältlich. In jeden Tisch ist ein Aufnahme- und Abspielgerät integriert (das "VoiceModul"), mit dem die Gäste während des Spiels Kommentare zu Kunst und Kultur veröffentlichen können.

Die Fotografien für die einzelnen Spielfelder entstanden während eines Spazierganges vom Bahnhof Bergedorf zum Schlosscafé und zurück, wurden anschließend thematisch geordnet und zu Gruppen zusammengefasst, die bestimmte Fragen zu Kunst und öffentlichem Raum zu bündeln gestatteten.






[ Bilderschau ]

Die Installation im Schloßcafé Bergedorf war Teil der Veranstaltung goingpublic 4, ein Katalog wurde im
hyperzine verlag veröffentlicht.



[* 2008-09 Villa Waldberta ]

Im Rahmen des Aufenthalts als "artist-in-residence" (August 2008) in der Villa Waldberta in Feldafing bei München entsteht als Beitrag des Projekts a day in a life eine Serie von Postkarten, die sich mit der Situation des Stipendiat/innen-Daseins, der institutionellen Förderung der Kunst und den damit einhergehenden Erwartungen der Förderer, dem örtlichen Publikumsinteresse und den Vorurteilen gegen aktuelle Kunstproduktionen im Verhältnis zu überkommenen Kulturklischees auseinandersetzt. Eine Art Online-Tagebuch ...

Die Frage einer von Seiten der Veranstalterin gewünschten, repräsentativen Vorstellung des Projektes führte zur Realisation einer "Tagesdecke" für die große Tafel im Salon der Villa. Die "Inbetriebnahme" wird - etwas verspätet - im Rahmen unseres Besuchs 2011 mit "beinschuß" stattfinden.






[ Bilderschau ]

[* 2009-07 Steilshoop ]

Während der Balkoniade, die zum 40-jährigen Jubiläum der Großraumsiedlung Hamburg-Steilshoop am 12. Juli 2009 statt fand, wurde das Café Alraune mit 4 Tischdecken bestückt.

Die aufgedruckten Inhalte ergeben ein Spiel, das einen je selektiven Rundgang durch die Siedlung, kombiniert mit Stills aus bekannten TV-Serien und historischen Fotos zu der "Kunst im öffentlichen Raum" der 70er Jahre in der Umgebung beinhaltet. Die Titel der Arbeiten, die von anderen Künstler/innen bei der Balkoniade präsentiert wurden, sind als "Reminder" mit in die Tischdecken integriert.

Die Besucher/innen sind aufgefordert, sich eigene Regeln für das Spielfeld zu geben und auf dem VoiceModul Nachrichten zu hinterlassen ...






[ Bilderschau ]

Der Eingriff fand anläßlich der balkoniade statt.
Im hyperzine verlag ist ein Katalog (eBook) erschienen.


[* 2009-09 Rühlauer Forst ] MuseumImWald

Drei versteckte Küsse im Unterholz

Das Wald-Karrée im Rülauer Forst bei Schwarzenbek soll sich selbst überlassen werden und wieder "Urwald" werden ... ein vermessener Anspruch! Und nun auch noch ein "MuseumImWald".

Dem Akt der Musealisierung von Kunst liegt meist die Konzeption zugrunde, aktuell hervorragende Werke der Berührung zu entziehen und sie unbeschadet durch die Zeit zu schleusen, in der Hoffnung, uns dem Kunstwillen des Menschen näher bringen. Überlassen wir den Wald sich selbst, wird er uns dann dem „Urwald“ näher bringen? Soll hier die Kunst der Natur überlassen werden, um sie in den Zustand einer "Urkunst" zurück zu formen? Oder handelt es sich nur um eine weitere Geschäftsidee der Urbarmachung von Natur als Picknickplatz?

Inszeniert sind hier die versteckten Küsse mit unseren Ursprüngen ... und sie sind gut versteckt! Wenn wir glauben, unsere Ursprünge archäologisch "ausgegraben" zu haben, werden wir allein durch unsere Analysemethoden doch wieder nur auf unseren Jetzt-Zustand stoßen: Beim Öffnen der drei "Steine" finden wir nur je eine Picknick-Decke, auf der in Auszügen unser kultureller Habitus verzeichnet ist. Insofern ist die Arbeit eine allegorische Versuchsanordnung zur "experimentellen Archäologie", wie wir sie in unserem Alltag gerne betreiben, um im Unergründlichen zu gründeln.

Monolithe gelten vielfach als die ersten Zeugen kultischer und religiöser Handlungen. Die drei Blumenkübel aus Kunstharz, die sich als Steinquader tarnen, kommen "monolithisch" daher, wenn auch bedeutend kleiner als der Monolith aus Kubricks Film 2001.



[ Bilderschau ]

Die drei Blumenkübel ähneln auf den ersten Blick Bausteinen, düpieren uns mit dem Bild "romantischer Ruinen" individueller Sehnsucht. Dabei ist die Romantik selbst eine Technik der musealen Überhöhung all dessen, was uns durch Entfremdung unerreichbar geworden scheint.

Die Picknick-Decken sind die "weißen Leinwände", als die jeder von uns die Zivilisation betritt und auf denen sich dann die Bilderwelten sammeln. Doch jede/r von uns steht vor dem selben Problem wie der Künstler, der ein neues Bild beginnt. Mit wachsender Erfahrung sind immer mehr Positionen gesetzt, sonst könnte nicht von Erfahrung gesprochen werden. Kein zweites Bild kann wieder bei Null beginnen. Beginnen wir also bei einer Collage dessen, was als irgendwie bekannt vorausgesetzt werden kann: "Schnappschüsse" aus TV-Beiträgen der letzten Wochen. Auf diesem "Bildersegen" machen wir es uns dann bequem - ein Pcknick der Wiedererkennungswerte und kulturellen Wissensstände.

Eine Veranstaltung des Lauenburgischen Kunstvereins.
Ein Katalog ist im hyperzine verlag erschienen.





[* 2009-10 Brunswiker Pavillon ] borderline

Diese Tischdecken installieren Worte, die in den unterschiedlichen Gesellschafts- und Handlungsbereichen ganz gegenteilige Bedeutungen annehmen. „Geschmack“ hat in der Biologie eine andere, bisweilen sogar gegensätzlich zu wertende Bedeutung als in der Kunst. Auf der Ebene der Wertehierarchie, die aktuell Gültigkeit beansprucht, entstehen „Drifte“, die zu eigenständigen Terminologien führen können.

Die Felder dieser Tischdecken sind als Spielfelder aufgebaut, die mit Würfel und Saftglas, alleine oder in Gesellschaft, begangen werden können.

Ausgesuchte Worte sind hier in einer Dramaturgie in 5 Akten zu einem Spiel zerlegt und können mit neuen Assoziationregeln gelesen werden, die sich die Spieler selbst geben. Dazu sind Bilder wissenschaftlicher Meilensteine aufgedruckt, die die Bedeutungsvielfalt unterstützen.

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[ Bilderschau ]

Realisiert im Rahmen der Ausstellung "Grenzen",
Brunswiker Pavillon, Kiel - Kuration Eva Ammermann.

Die Tischdecken sind außerhalb der Ausstellung "aufgedeckt": In der Kantine, dem "Pavillon" des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und in der Seeburg, Mensa und Restaurant des Studentenwerks ...




[* 2009-10 Kraków ] Otwarty

17 Tischdecken sind vorproduziert und warten auf Inhalte, die beim Besuch in Kraków gesammelt werden. 13 Tischdecken werden schlußendlich bebügelt und in Kraków verteilt.

Die Tischdecken sind als Spiel aufgebaut, bei dem würfelnd die Umgebung des jeweiligen Ortes abgegangen werden kann. Das genauere Regelwerk gibt sich die jeweilige Spielgemeinschaft selbst. Die maßgeblich sinnstiftenden Felder tragen die Sätze:

Ein Gewinner macht zu viele Verlierer
Jeden zwycięzca sprawia, że jest zbyt wielu przegranych

Die Reise fand im Rahmen der Veranstaltung Wir sind woanders #3, organisiert vom Dachverband Aktuelle Kunst Hamburg statt ... [ mehr ]



[ Bilderschau ]




[* 2010-02 Palais Augustiana ] borderline

Die Ausstellung "Grenzen" (Kiel 2009) wurde im Januar / Februar 2010 von der dänischen Stadt Sønderborg übernommen. Im Stadtteil Augustenborg findet sich das Palais Augustiana, dem ein Skulpturenpark angeschlossen ist. Mit "zwischendecken" wird nun der Skulpturenpark in die halböffentlichen Räume der Stadt hinein erweitert ....

In der Ausstellung steht vor einem Spiegel ein Pult, bestückt mit Flyern, die die Standorte der Arbeit in der Stadt mit den jeweiligen Öffnungszeiten auflisten:

  • Augustiana (Küche) Palævej 12, 6440 Augustenborg
    Lørdage og søndage kl. 11 - 16

  • Deutsche Bibliothek Rønhaveplads 12, 6400 Sønderborg
    ma - to kl. 10 - 19, fr kl. 10 - 17

  • Biblioteket Sønderborg Kongevej 19, 6400 Sønderborg
    ma - to kl. 10 - 19, fr kl. 10 - 17, lø kl. 12 - 17

  • Café Figo (beim Rathaus) Rådhustorvet 8, 6400 Sønderborg
    ma - on kl. 11 - 22, to kl. 11 - 23, fr / lø kl. 11 - 24

  • Danhostel (Siele- und TV-Raum) Kærvej 70, 6400 Sønderborg
    ma - lø kl. 8 - 12 og 16 - 18





[ Bilderschau ]

[* 2011-09 Stadtraum Basel ] ruinenmalerei

Im Rahmen der Programmwoche { Die Nacht und das Flüstern }* wird mit dem Thema "Ruinenmalerei" ein kleines Stadttrauma vom Mai 2011 verarbeitet und in 12 Kneipen und Veranstaltungsorten der Stadt als "Reminder" verteilt: Nach einer vielversprechenden Besetzung stürzte ein Jugendlicher betrunken vom Dach. Die Besetzung wurde daraufhin abgesagt und die Stadt versäumte nicht, das Kinderspital sogleich abzureißen ... Kümmern ist eben immer auch mit Risiken verbunden.

Im Hintergrund des Stalls zu Bethlehem findet sich bei Darstellungen der Geburt Christi gerne ein Stück römischer Mauerrest. Seit dem 15. Jahrhundert wurde das Malen von Ruinen zunehmend beliebter, um der Vergänglichkeit ein illustratives Gewicht zu verleihen. Im 17./18. Jahrhundert und ganz besonders bei den Romantikern erhält das Ruinöse die vorläufige „Salonweihe“. Italienreisende stolperten durch reichlich Anschauungsmaterial, um literarisch wie malerisch das Repertoire des Ausdrucks zu erweitern und gar die Erde selbst als Ruine zu behaupten und so darzustellen, dass sie endlich nurmehr als Archiv aus Überresten mensch-lichen Wirkens daherkommt, wenn eine Menschheit längst nicht mehr ist. Die Psychoanalyse hat das Motiv der Ruine als Sinnbild archäologischer Erinnerungs-arbeit begriffen. Die Ästhetik der Erhabenheit kommt ohne Ruinen ebenfalls nicht aus und Industrieruinen sind seit geraumer Zeit Orte der Begehrlichkeit zur Schaffung neuer Freiräume einerseits und zur Genese neuen Kapitals andererseits geworden. Welches Label wollte da nicht gerne im morbiden Charme ruinierter Welten posieren lassen!



Spielen Sie mit ihrem Saftglas, laufen Sie die Felder ab, verlangen Sie gegebenenfalls Würfel beim Personal. Spielen Sie alleine oder in Gesellschaft, geben Sie sich ihre Regeln für das Spiel in Absprache mit den anderen Mitgliedern der zufällig sich einstellenden Spielgemeinschaft. Machen Sie Fortschritte:

Widersprechen Sie immer beim Erreichen des „W“-Felds
Lassen Sie im roten „O“-Feld Obacht walten
Erinnern Sie sich gründlich auf dem „R“ des „reminder“
Geben Sie sich eine Aufgabe bei „K“ wie „Kümmern“

[ Bilder der 14 Ruinendecken ]
zum Kinderspital am Schaffhauserrheinweg in Basel

 



acp

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